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Ingo Klöckl
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Als Österreicher bin ich sehr an den Bergen interessiert, als Auslandsösterreicher aber leider durch die Entfernung von 600 bis 1000 km etwas an Touren gehindert. Aber dafür bereiten mir die, die tatsächlich zustande kommen, umso mehr Freude. Im übrigen bin ich keineswegs "der Bär", indess bietet das Gebirg Menschen auf jeder Stufe der alpinen Entwicklung etwas, und auch unreflektiert als "einfach" bezeichnete Touren können Dir sehr viel bringen.

Warum mach ich etwas, das von vielen Leuten sofort als "gefährlich" bezeichnet wird und von vielen anderen wiederum ebenso unbedingt für wesentlich gehalten wird? Straßenverkehr und das Leben in der Stadt sind gewiß gefährlicher. Um die objektiv vorhandenen Gefahren der Berge abzuwenden, mußt Du allerdings versuchen, die Natur (soweit noch vorhanden, siehe Skigebiete) zu verstehen und ihr wieder näher zu kommen. Wer mit der heute üblich gewordenen Versicherungsmentalität in die Berge kommt, riskiert in der Tat etwas, weil er glaubt, seine eigene Verantwortung für sich selbst auf andere abwälzen zu können ("da hätte ein Haken stecken müssen"). In den Bergen (und auch beim Durchqueren von Kanada ...) mußt Du wieder eigenverantwortlich sein, sich den Erfolg selber erarbeiten, ohne von Versicherungen geschützt und von Aufzügen dorthin gebracht worden zu sein. Du kannst Deine eigenen Grenzen erfahren und erweitern. Du hast etwas selber geschafft. Nach dreistündigem Hatscher durch hüfttiefen Schnee das Ziel erreichen und wissen, den Schwächeanfall überwunden zu haben und mehr leisten zu können, als Du Dir in der Stadt bewußt warst (doch Vorsicht vor Übermut!). Was Du erreicht hast, hast Du selber geleistet! Und wenn das Erreichte nicht der Gipfel ist: warum zählt nur dieser, wenn Du bereits aus dem Aufstieg Gewinn ziehen kannst?

Beim Steigen erhält der Mensch Gelegenheit, sich seiner Umwelt wieder bewußt zu werden. Das Wasser des Baches zu riechen, den Geruch des Schnees hoch oben, des erdigen Waldbodens, der Almkräuter wahrzunehmen. Der Wechsel der Vegetation: der Wald, der zum Hochwald wird, lichter und sich dann öffnet zum weiten Almboden mit den kleinen und kleinsten Blüten, unscheinbar zwischen Felsen und kräftigen Buschwerk. Die Felsen, strahlend heller Kalk inmitten wilder Tannenwälder, goldbrauner Granit oder auch tiefschwarzer, Nadeln bildend inmitten blendend weißer Gletscher. Sorgen des Tales werden klein und unbedeutend und verschwinden angesichts des Blicks aus der Höhe herab, wenn die Strahlen der ersten Sonne die Spitzen in Gold tauchen oder die der letzten die Schatten riesenhafter Pyramiden wachsen lassen.

Wenn "die Natur uns besiegt" hat, hat sie uns doch schon reichlich gespendet. "Sieg" und "Niederlage" sind unpassende Kategorien für das Bergsteigen.

Und diese schönen Veränderungen gehen nicht nur mit dem Extremkletterer vor, sondern auch mit dem hochalpinen Wanderer, der gar nicht "richtig klettern" mußte. Jedes Können kann dies erleben, jedes Temperament: der Kletterer, der den rauhen Fels spürt, der Eisgeher inmitten azurblauer transparenter Massen, der Hochtourengeher auf dem verschneiten Gletscher und der Wanderer auf dem Normalweg.

Meine bisherigen Erfahrungen zeigen mir jedoch auch, daß man die geschilderten Gefühlen zuweilen am intensivsten bei Alleingängen oder mit höchsten einer Begleitperson, zum Beispiel meiner Frau, verspürt. Daher richte ich meine nächsten Ziele nicht in besonders bekannte Gegenden, sondern möchte außerhalb der Saison in unbewirtschafteten Winterräumen oder Biwaks nächtigen, was ich benötige selber heraufbringen und selber zum Ziel finden. Wenn's dann auch nicht 3500 m hoch ist, denn in Gletscherregionen gehe ich ungern allein, so hab ich's dann doch weglos gefunden. Und das Gefühl, auch unter 2500 m im Schneefall selbständig die richtige Route gefunden zu haben, wiegt so manchen fehlenden Höhenmeter auf bezeichnetem Pfad auf.