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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Großvenediger 3674 m

Stützpunkt Kürsingerhütte 2558 m.

Nach dem bescheidenen Bergsommer 1999 (Naß wie gebadete Mäuse im Toten Gebirge, Regen in den Tauern) wollten wir im schönen Herbst noch einen Versuch einer Hochtour unternehmen. Um im Zweifelsfalle eine Chance zu haben, über den Regenwolken zu stehen, nahmen wir den Großvenediger als Ziel, Salzburgs höchsten Berg und ein idealer Aussichtspunkt ersten Ranges.

Im Gegensatz zu den meisten anderen, die um 5:45 bereits mit Taschenlampen bewaffnet die Hütte verließen, standen wir um diese Zeit erst auf und frühstückten zunächst. Als Folge davon traten wir erst um 7:00, und zwar als letzte, aus der Hütte und waren schlagartig allein, was auf einem der vier Normalwege auf den Venediger nicht gerade häufig vorkommt; war natürlich alles so geplant :-) Auf markiertem Steig/Weg steigt man zunächst ein langes Stück am Gletscherufer auf bis etwa 2750 m an, dann wendet sich der Steig nach unten zum Eis, das hier unten schon recht aper war. Eine nicht zu verfehlende Steigspur von zahllosen Tritten der Frühaufsteher weist den Weg, der technisch höchst anspruchslos ist und nur etwas Kondition und Gletschererfahrung erfordert, denn auch dieser einfache Weg weist zahlreiche Spalten auf, die zumeist aber mit hartgefrorenen Schneebrücken überstiegen werden konnten. In einem weiten Rechtsbogen steigt man sanft ansteigend zuerst Richtung Zwischensulzbachtörl, dann Richtung Kleinvenediger an, bis eine Höhe von 3050 m erreicht ist. Auf diese Weise umgeht man die größten Spaltenzonen (2 1/2 h).

Der Großvenediger präsentiert sich beim ersten Kontakt mit dem Gletscher noch sehr zurückhaltend. Wir blicken auf den Nordwestgrat und die Nordwestwand, durch die die erste Besteigung mit Erzherzog Johann erfolgen sollte. In etwa 3000 m Höhe, vor uns das Ziel immer noch hoch über uns. Wir schauen direkt in die Nordwand.

Von hier aus kann man deutlich die Venedigerscharte (3400 m) sehen, die das nächste Etappenziel bildet. Die letzen 300 Höhenmeter zu ihr hinauf wird sie zunehmend steiler, bis ca. 35 Grad. Hier einige große Spalten, die fast zugeweht sind (1 h).

An der Scharte angekommen, öffnet sich der Blick auf das weite Gletscherdach mit den Berggipfeln der "Krone": links der Kleinvenediger (3477 m), rechts ein gewaltiger Schnee- und Eiswulst des Großvenedigers, vorne die Schwarze Wand (3511 m), der Hohe Zaun (3467 m), das Rainerhorn (3560 m) und das Hohe Aderl (3504 m). Man steigt nun sanft an auf den Schneewulst in Richtung Gipfelkreuz, in der Mitte wird der Schneehang etwas steiler, auch hier große Spalten.

Die beiden Akteure: Claudia hat den Rastplatz auf etwa 3500 m oberhalb der Venedigerscharte, im Hintergrund der Kleinvenediger, bereits erreicht und gut lachen ... ... Ingo folgt jedoch sogleich.

Schließlich erreicht man den Vorgipfel des Venedigers, 3670 m. Hier ist man von dem Kreuz auf dem Hauptgipfel nur noch etwa 30 m entfernt, ein Firngrat weist den Weg. Hier ist in manchen Jahren eine beachtliche Wächte, die das Passieren erschwert oder verhindert, nicht so zu dieser Zeit. Der Grat ist anfangs 1/2 m breit, verengt sich aber in der Mitte des Weges jäh bis auf 2 Fuß Breite mit beachtlich steilen Abstürzen zu beiden Seiten (70 Grad). Dieser Abschnitt ist der einzig schwierige und moralisch unter Umständen etwas anspruchsvoller, was Schwindelfreiheit angeht. Bei großem Andrang (Frühaufsteher) ist Einbahnverkehr angesagt. Da wir so spät dran waren, hatten wir keinerlei Probleme mehr ... Auf dem Gipfel selbst steht dann das große Kreuz ohne Buch und Stempel (1h). Das gute Wetter erlaubte einen prachtvollen Rundblick vom Dachstein im Osten über Glocknergruppe, Schobergruppe, Dolomiten, Zillertaler Alpen, grandios und sehr lohnend!

Den Rückweg nahmen wir wieder auf demselben Wege und benötigten dafür 4 Stunden durch den von der Sonne heftig aufgeweichten Schnee. Im unteren Gletscherbereich war fast schon Waten durch Wasserströme angesagt.