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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Innere Sommerwand 3122 m

Tourenstützpunkt Franz Senn-Hütte 2147 m, Tag 1 des Firn- und Eiskurses.

Die Innere Sommerwandspitze ist der höchste Punkt der an die 3 km langen Sommerwand, die das Alpeinertal begrenzt und zu diesem steil abfällt. Zahmer präsentiert sie sich zum Sommerwandferner hin, über den der Großteil des Anstieges führt. Auf dem Schulungsprogramm für diesen Tag stand Einführung in das Gletschergehen, wegloses Gehen, Blockwerk und Blockgratkrallen.

Ein markierter Steig führt über eine Stufe von der Hütte in die Nähe des Gletschers. Nach Verlassen des Steiges nach links über ein Blockfeld, das als Trittschulung und Wegfindungsgelände diente, konnten wir das Ufer des Gletschers erreichen und zum Gletschergehen fortschreiten. Durch die heftigen Schneefälle der letzten Zeit war von dem Blockfeld gar nicht so viel zu sehen und es gelang mir prompt, "meine" Gruppe in metertiefen Schnee zu führen, während ich dachte, dies durch Schläue vermieden zu haben ... Soviel zu "ich kann doch weglos gehen".

Schließlich, nachdem ich durch das Spuren schon auf 2400 m Höhe fix und fertig war, gelang es dem kraftgewaltigen Franz, mein Werk fortzuführen und uns auf den zugeschneiten Gletscher zu bringen. Diesen querten wir in einem weitem Linksbogen, um steilere Abschnitte zu vermeiden. Da der Gletscher weiß, daß er ein Übungsgletscher ist, war er auch spaltenarm, aber mit dem Schnee drauf konnte man uns viel erzählen, zumindest ich dachte dennoch an gräßliche blauschwarze Schlünde, stets bereit, sich unter mir zu öffnen ...

Anseilen vor dem Marsch über den Sommerwandferner. Blick hinunter vom Standpunkt auf circa 2700 m auf den See zu Beginn unseres Weges. Die äußere Sommerwandspitze (Abschlußtour) liegt direkt über dem See.

Unser vorläufiges Ziel war die Kräulscharte 3050 m, bei der wir einen guten Schluck aus der Flasche nahmen und ich feststellte, daß ein Liter Wasser gar nicht so viel ist, wenn man fleißig trinkt und die Sonne einen im Gletscherbecken grillt. Wie sollte ich mit den verbleibenden 100 ml nun auskommen?

An der Scharte deponierten wir nun die Rucksäcke und stiegen dem Gipfel über einen harmlosen Blockgrat (I) entgegen, wobei wir uns wegmäßig an den Verlauf des Grates hielten. An exponierten Stellen fanden sich kurze Drahtseile, und Werner hatte uns auch ans Seil genommen, sicher ist sicher. Hier hatte ich meine erste Erfahrung mit richtiger Tiefe und Ausgesetztheit, aber Werners "alles ganz lässig" sorgte richtig dafür, daß ich mich mit diesem Gefühl anfreunden konnte und großen Spaß an der lustigen leichten Kletterei an sonnengewärmten braungoldenen Felsen hatte. Ich vermutete schon, was ich auch heute noch sagen kann: ein Kletterer in den VIII-Wänden werd' ich nicht, mein Traum sind leichtere Blockgrate, die einen Marsch krönen, der zu stolzen Gipfeln hoch in Schnee und Eis führt!

Die Kräulscharte mit Blick zur östlich von der Sommerwandspitze gelegenen 3400 m hohen Kräulspitze. Auf dem blockigen Gipfelgrat, Blick hinunter zur Kräulscharte. Der Gipfelfels.

Der Gipfel selber besteht aus einigen großen Trümmerblöcken und weist kein Kreuz auf. Auf dem Blockwerk bot er uns wenigen Personen gerade genug Platz, die Aussicht umfaßt das westliche Stubai, östlich wird der Blick von der höheren Seespitze versperrt. Einfach atemberaubend und für mich ein infektöses Gefühl, das mich bis heute auf die Berge zieht.

Der Rückweg schließlich erfolgt bis zum Gletscherende auf der Aufstiegsroute, ab dann weglos über die Böden des Stiergschwetz zur Hütte zurück. Nachdem das Gipfeladrenalin aufgebraucht war, merkte ich, daß ein von der Sonne aufgeweichter Gletscher kein Spaß für müde Krieger ist und bedauerte, nicht mehr Wasser dabei zu haben. Auch bezüglich meiner Kraft und Verpflegung konnte mir diese Tour viele wichtige Erfahrungen vermitteln. Richtwert für mich permanent Untrainierten: 1000-1200 Höhenmeter pro Tag im Aufstieg, dann habe ich genügend Reservern, falls Schnee oder andere kraftraubende Komplikationen wie Gegenanstiege auftreten, maximal 1500 Hm. Und nur wer viel trinkt, kann am Gipfel ein trockenes Kantwurstbrot auch mit Appetit essen. Und wer erst dann ißt, ist eigentlich etwas zu spät damit dran, da es doch merkbar lange dauert, bis das Brot auch zu puren Muskeln geworden ist :-)