Innere Sommerwand 3122 m
Tourenstützpunkt Franz Senn-Hütte 2147 m,
Tag 1 des Firn- und Eiskurses.
Die Innere Sommerwandspitze ist der höchste Punkt der an die 3 km langen
Sommerwand, die das Alpeinertal begrenzt und zu diesem steil abfällt. Zahmer
präsentiert sie sich zum Sommerwandferner hin, über den der Großteil
des Anstieges führt. Auf dem Schulungsprogramm für diesen Tag stand Einführung
in das Gletschergehen, wegloses Gehen, Blockwerk und Blockgratkrallen.
Ein markierter Steig führt über eine Stufe von der Hütte in die
Nähe des Gletschers. Nach Verlassen des Steiges nach links über ein Blockfeld,
das als Trittschulung und Wegfindungsgelände diente, konnten wir das Ufer des
Gletschers erreichen und zum Gletschergehen fortschreiten. Durch die heftigen
Schneefälle der letzten Zeit war von dem Blockfeld gar nicht so viel zu sehen
und es gelang mir prompt, "meine" Gruppe in metertiefen Schnee zu führen, während
ich dachte, dies durch Schläue vermieden zu haben ... Soviel zu "ich kann doch
weglos gehen".
Schließlich, nachdem ich durch das Spuren schon auf 2400 m Höhe fix und fertig
war, gelang es dem kraftgewaltigen Franz, mein Werk fortzuführen und uns auf
den zugeschneiten Gletscher zu bringen. Diesen querten wir in einem weitem Linksbogen,
um steilere Abschnitte zu vermeiden. Da der Gletscher weiß, daß er ein Übungsgletscher
ist, war er auch spaltenarm, aber mit dem Schnee drauf konnte man uns viel erzählen,
zumindest ich dachte dennoch an gräßliche blauschwarze Schlünde, stets bereit,
sich unter mir zu öffnen ...
Anseilen vor dem Marsch über den Sommerwandferner. |
Blick hinunter vom Standpunkt auf circa 2700 m auf den See zu Beginn
unseres Weges. Die äußere Sommerwandspitze (Abschlußtour) liegt direkt über
dem See. |
Unser vorläufiges Ziel war die Kräulscharte 3050 m, bei der wir einen
guten Schluck aus der Flasche nahmen und ich feststellte, daß ein Liter Wasser
gar nicht so viel ist, wenn man fleißig trinkt und die Sonne einen im Gletscherbecken
grillt. Wie sollte ich mit den verbleibenden 100 ml nun auskommen?
An der Scharte deponierten wir nun die Rucksäcke und stiegen dem Gipfel
über einen harmlosen Blockgrat (I) entgegen, wobei wir uns wegmäßig
an den Verlauf des Grates hielten. An exponierten Stellen fanden sich kurze
Drahtseile, und Werner hatte uns auch ans Seil genommen, sicher ist sicher.
Hier hatte ich meine erste Erfahrung mit richtiger Tiefe und Ausgesetztheit,
aber Werners "alles ganz lässig" sorgte richtig dafür, daß ich mich mit diesem
Gefühl anfreunden konnte und großen Spaß an der lustigen leichten Kletterei
an sonnengewärmten braungoldenen Felsen hatte. Ich vermutete schon, was ich
auch heute noch sagen kann: ein Kletterer in den VIII-Wänden werd' ich nicht,
mein Traum sind leichtere Blockgrate, die einen Marsch krönen, der zu stolzen
Gipfeln hoch in Schnee und Eis führt!
Die Kräulscharte mit Blick zur östlich von der Sommerwandspitze gelegenen
3400 m hohen Kräulspitze. |
Auf dem blockigen Gipfelgrat, Blick hinunter zur Kräulscharte. |
Der Gipfelfels. |
Der Gipfel selber besteht aus einigen großen Trümmerblöcken und weist kein
Kreuz auf. Auf dem Blockwerk bot er uns wenigen Personen gerade genug Platz,
die Aussicht umfaßt das westliche Stubai, östlich wird der Blick
von der höheren Seespitze versperrt. Einfach atemberaubend und für mich
ein infektöses Gefühl, das mich bis heute auf die Berge zieht.
Der Rückweg schließlich erfolgt bis zum Gletscherende auf der Aufstiegsroute,
ab dann weglos über die Böden des Stiergschwetz zur Hütte zurück. Nachdem das
Gipfeladrenalin aufgebraucht war, merkte ich, daß ein von der Sonne aufgeweichter
Gletscher kein Spaß für müde Krieger ist und bedauerte, nicht mehr Wasser dabei
zu haben. Auch bezüglich meiner Kraft und Verpflegung konnte mir diese Tour
viele wichtige Erfahrungen vermitteln. Richtwert für mich permanent Untrainierten:
1000-1200 Höhenmeter pro Tag im Aufstieg, dann habe ich genügend Reservern,
falls Schnee oder andere kraftraubende Komplikationen wie Gegenanstiege auftreten,
maximal 1500 Hm. Und nur wer viel trinkt, kann am Gipfel ein trockenes Kantwurstbrot
auch mit Appetit essen. Und wer erst dann ißt, ist eigentlich etwas zu spät
damit dran, da es doch merkbar lange dauert, bis das Brot auch zu puren Muskeln
geworden ist :-)
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