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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Tour im Lechquellengebirge

Spuller Schafberg 2679 m

TO DO

Grubenjochspitze 2659 m, II-

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Nach ca. 1 1/4 Stunden habe ich den Eingang zur Wildgrube erreicht. Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch beginnen die Schneefelder gleich hinter dem Eingang, mein herrlicher Rastplatz ist unter den Schneemassen gar nicht zu sehen. Der kleine Bach gluckert unsichtbar irgendwo unter der weißen Decke. Nun wird es Zeit, den Eispickel auszupacken, und schon geht es los über den recht gut gangbaren festen Schnee. Nur dort, wo die Sonne ihn lange trifft, ist er unangenehm sulzig, aber da es noch sehr früh ist, ist er im großen und ganzen fest, es geht sich sehr gut darauf. Rasch gewinne ich nun an Höhe, vermeide die großen Schneefelder über dem Bach in der Mitte des Tales und halte mich mehr in den Flanken, sodaß sich Fels und Schnee abwechseln und ich gut vorankomme. Irgendwann bin ich tief genug in die Wildgrube vorgedrungen und kann vor mir erstmal mein heutiges Gipfelziel, die Grubenjochspitze sehen, das heißt ihre steile Felsflucht, mit der sie sich nach Westen hin abschirmt. Allmählich taucht dann auch der Talschluß mit dem Grubenjoch auf, und irgendwann kann ich die Stange am Joch sehen.

Der "schönste Rastplatz der Welt" ist noch tief unter dem Schnee vergraben. Erster Blick zum Grubenjoch; auf der anderen Seite liegt der Flexenpass.

Beim Höhersteigen in der tief verschneiten Wildgrube wird erstmals die Grubenjochspitze sichtbar. Schon dicht am Grubenjoch ...

... aber im tiefen Schnee kommt man nicht so rasch voran.

Von meinem Standpunkt kurz vor dem Joch aus kann ich nun meinem früheren Weg zur Wasenspitze sehr gut einsehen, der um diese Jahreszeit noch unter dickem Schnee begraben liegt. Jetzt hätte ich kein Problem, Trinkwasser hier zu finden!

Schöner Blick auf die Wasenspitze. Man erkennt sehr gut die Scharte zwischen beiden Bergen mit dem Aufstieg von rechts unten, sowie den steilen Hang zum Fuß des Gipfels, der hinter dem Nebengipfel hervorlugt. Blick zurück zum Spuller Schafberg mit der weißen Schneekappe.

Nach gut 2 3/4 Stunden habe ich es endlich geschafft, das Grubenjoch liegt schneeweiß in der Morgensonne vor mir. Mein Blick richtet sich natürlich sofort auf die Grubenjochspitze, deren genauer Aufbau mir bislang verborgen geblieben war, da das kleine Gletscherkar mit der Aufstiegsroute weder von der Wildgrube noch von der benachbarten Wasenspitze aus sichtbar war. Tatsächlich liegt ein sehr schönes kleines Kar vor und teilweise unter mir, aber durch den Schnee, der vom Joch bis zum Gipfel liegt, kann ich nicht erkennen, ob es noch einen Gletscher birgt, wie im Führer gesagt, oder ob nicht. Der Anblick ist sehr schön, und ich genieße ihn erst einmal ausgiebig bei Wasser und Brot ;-) Ich bin gespannt, auf welchem Wege ich zum Gipfel kommen werden, der sich als eigenständiger Block steil über dem Gletscher und Felsstufen erhebt.

Am Grubenjoch, Blick auf das schöne kleine Gletscherkar mit der Grubenjochspitze darüber.

Durch den vielen Schnee weiß ich nicht genau, wo "oben rechts" der Gletscher endet, um nach der knappen Beschreibung der Anstiegsroute im Führer zum Gipfel zu gelangen. Da es sowieso keinen fertigen Weg für den Anstieg gibt, entscheide ich mich nach dem, was ich sehe, für eine eigene Route. Rechts scheinen die Schneehänge minder steil zu sein, aber ich kann nicht sehen, ob ich hinter der Felswand, die das Kar begrenzt, weiter zum Gipfel durchsteigen kann oder nicht. Links habe ich es mit steilen Schneehängen zu tun, über die ich zu dem Schneedach unter dem Gipfelblock gelangen könnte, und an diesem müßte ich dann nach einem leichteren Durchstieg forschen ...

Nach einigen Schritten in Richtung des wilden turmbewehrten Grates, der vom Joch zum Gipfel führt, entscheide ich, daß der Schnee ziemlich gut und fest ist, und steige endlang des vermutlichen Randes des kleinen Gletschers auf zum Schneedach unter dem Gipfel. Sobald ich das Gletscherbecken umrundet habe, steilt sich der Schneehang aber bis auf 50-60 Grad auf, sodaß ich nunmehr lieber auf den steilen Felsriegel unter dem Schneedach zusteuere und den weiteren Weg in leichter Kletterei (stückweise I-II) fortsetze. Am oberen Ende des Felsriegels dann Übertritt auf das steile Schneedach, das ich direkt zum Gipfelblock hin durchsteige, der sich nun mächtig über mir aufbaut.

Der wilde turmbesetzte Grat vom Grubenjoch zur Grubenjochspitze mit dem Beginn meiner Spur. Blick vom Schneedach hinunter in das Gletscherkar. Im Hintergrund gut sichtbar das überwächtete Grubenjoch.

Am Gipfelblock angekommen, heißt es nun, einen Weg durch die steilen Felsen zu suchen. Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten, die aber alle nichts mehr mit Gehen zu tun haben. Ein erster Versuch bringt mich über schön gestuften Fels sehr steil in die Höhe, schließlich fehlen mir jedoch zwei heiß herbeigesehnte Griffe, und bevor ich hier herunterfalle, steige ich lieber kontrolliert wieder zurück. Schließlich quere ich in halber Höhe zu einer Steilrinne, die sich rechts gezeigt hat, und klettere in einer Mischung aus Ier- und IIer Gelände nach oben. Leider ist der Fels zwar herrlich rauh und bietet einige Kanten und kleine Stufen, ist aber sehr, sehr brüchig, und viele steile Stellen sind mit Schutt unterschiedlicher Größe bedeckt. Nach ca. 20 m im Fels sehe ich dann schließlich den Gipfelsteinmann über mir.

Blick vom Schneedach hinauf auf den Gipfelkörper. Meine Aufstiegsroute durch steile Rinnen und Blöcke.

Im Gipfelfels, Blick zurück zum Grubenjoch und dem ersten Gratabschnitt. Oberes Teilstück meiner Rinne.

Nach der Steilrinne nochmal ein enger Riß. Der Gipfelsteinmann vor mir!

Schließlich betrete ich nach ca. 40 min den Gipfel, der aus einer waagerechten schmalen Schneide besteht, die nach Süden zu sehr steil ins Klostertal abbricht, nach Norden zu meinen Anstiegsweg enthält und nach Osten und Westen in einen wilden turmbewehrten Grat übergeht. Die Aussicht ist dank des guten Wetters hervorragend, alle wichtigen Berge des Lechquellengebirges zeigen sich. Einen besonders guten Blick habe ich auf ein Ziel von mir, das ich vor zwei Jahren besucht habe, die Wasenspitze, 2665 m, ebenfalls ein nur weglos ersteigbarer, einsamer Gipfel. Der Anstieg erfolgt über das rechte Schneefeld.

Blick nach Osten zur valluga mit einem Gratturm, tief unter mir. Die Valluga ist zwar spitz, aber die Nadel ist leider ein Stück Zivilisation in Form einer Gipfelstation eines Liftes für sehr winter"sportliche" Menschen. Blick hinunter in die Wildgrube mit dem Nebengipfel der Grubenjochspitze.

Die benachbarte Wasenspitze aus einer ungewohnten Perspektive. Man erreicht sie über das Schneefeld von rechts unten. Höher geht's nimmer: Blick zur oberen Wildgrubenspitze (links) und Grätligratspitze (rechts).

Blick nach Westen: die markante Rote Wand (links) und der verschneite Spuller Schafberg mit P.2442 (Mitte und rechts).

Nach 15 min am Gipfel denke ich langsam an den Rückweg hinunter zum Grubenjoch, der im wesentlichen über dieselbe Route verläuft. Nur am Gipfelfels benutze ich die steile Rinne, in die ich zuletzt hereingequert bin, bis zum Schneedach hinunter, das hier doch ganz schön steil ist, aber dicht an den Felsen gefahrlos gangbar. Den steilen Aufschwung des Gletscherbeckens steige ich wiederum in den Felsen ab, und erreiche alsbald das Grubenjoch. Hier heißt es nun noch, zum Flexenpaß und zum Postbuch abzusteigen, um die Bahn nach Hause zu erreichen. Der Abstieg vom Grubenjoch wird noch einmal spannend, da die Ostseite noch sehr stark verschneit ist und große Wächten unter der Scharte hängen, die einen Abstieg durch das Schrofengelände verhindern. Also noch einmal steiler Schnee ...

Schließlich ist auch das geschafft, und ich erreiche wieder die Vorposten der Zivilisation in Form einer Skipiste, zur Abwechslung einmal ohne Müll. Offenbar ist es den Rauchern hier im Winter zu steil, um ihre Kippen einfach in die Gegend zu schmeißen. Der Weg zum Paß ist unübersichtlich und zieht sich beachtlich in die Länge, bis 2000 m liegt noch sehr viel Schnee, und der Kontrast zu der heißen Sonne, die mich oben brennt, während ich untenherum im Schnee wate, ist seltsam. Recht erschöpft lange ich endlich am Paß und an der Bushaltestelle an, und habe eine herrliche Tour in einer sehr einsamen, noch winterlichen Gegend hinter mir.