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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Pockkogel 2807 m

Tourenstützpunkt Mittergrathütte 1947 m, Tag 3 der Wanderwoche Kühtai.

Der Pockkogel ist einer von mehreren Gipfeln um 2800 m, die in einer separaten und sehr hübschen Berggruppe direkt hinter dem Ort Kühtai liegen und von unserer Hütte aus gut sichtbar sind. Im nebligen Wetter der ersten Tage wirkte diese Gruppe mit ihren schroffen und spitzen Gipfeln wie eine Impression einer antarktischen urwüchsigen Insel. Ich bedauerte sogleich, meine Ölfarben nicht mitgenommen zu haben, um dieses Bild festzuhalten ...

Blick von der Mittertalhütte auf die Pockkogelgruppe. Der Pockkogel ist der rechte, spitze der höchsten Gipfel. Blick von 2300 m auf Kühtai. Links der hohe Gipfel mit Schnee ist der Pirchkogel (Aufstieg in grün).

Da wir zu Beginn unserer Woche hier noch nicht genau über die Schneelage im südlichen Sellrain Bescheid wußten, hatten wir geplant, zum Sulzkogel aufzusteigen. Da wir von der Hütte aus zunächst zum Talgrund auf 1850 m absteigen und dann auf 3016 m hinaufmußten, ließen wir um 4:00 den Wecker klingeln und schafften es wirklich, mit dem ersten Morgenlicht im taunassen Gras aufzubrechen. Wenn man den Ort Kühtai erreicht hat, muß man von hier aus zum Speichersee Finstertal auf 2300 m aufsteigen, zunächst vom Ort aus über Rindviechweiden, dann auf bequemem Steig über steile Talstufen bis zum Seeniveau. Auf diese Höhe könnte man auch mit einer Sesselbahn fahren, aber das wäre ja unsportlich. Wie wir später am Tage sehen sollten, sahen das aber circa 50 andere Besucher des Stausees nicht so eng.

Vom Stausee aus (dessen Staumauer sogar einigermaßen hübsch mit Naturbruchsteinen verkleidet ist und nicht so schlimm ausschaut) hat man einen herrlichen Blick auf die ganzen umliegenden 2900er und 3000er und wilde, schneegefüllte Kare. Die ganze Pracht der Hochalpen läßt sich hier erahnen. Uns ahnte allerdings, daß der Schnee uns noch zu schaffen machen würde. Und tatsächlich sperrte am Ende des Stausees ein großes und sehr steiles Schneefeld den Weiterweg. Hier wäre schon große Vorsicht oder Pickeleinsatz anzuraten gewesen. Wir entschlossen uns aber, dieses erste auch das letzte Hindernis sein zu lassen, da dahinter reines Schnee-Gehen bis zum Gipfel auf uns gelauert hätte und dies nicht zu Claudias Vorlieben gehört. Die Entscheidung fiel nicht schwer, da vom Stausee aus einige Alternativgipfel wie Pockkogel oder Neunerkogel ohne Umweg erreichbar sind. Wir entschlossen uns für den Pockkogel und gingen am Seeufer wieder einige 100 m zurück zum Einstieg.

Blick auf die Umgebung des Finstertaler Stausees. Rechts sieht man, wie der Gipfel des Sulzkogels über die Vorberge lugt. Der Gipfel links ist der Finstertaler Schartenkopf. Der Aufstieg zum Sulzkogel verläuft durchwegs durch die Schneerinnen in der Bildmitte. Beim Aufstieg zum Pockkogel, Blick zur Steilntalspitze. Man muß die Schuttrücken erklimmen, dann durch die mittig zu sehenden Abstürze steigen und gelangt zum letzten langen Anstieg.

Der Weg zum Pockkogel ist freigebig markiert und besteht im wesentlichen aus einem erdigen Pfad in einem grasigen Gelände, das von mehreren Steilstufen unterbrochen ist. Hier führt der Pfad durch Felsgelände, aber Kletterei wird einem nicht abverlangt. Ein Schneefeld bringt einen kühlen erfrischenden Akzent in den mittlerweile sehr heißen Sommertag, seine Steilheit bringt leider einen erschöpfenden Akzent, dann sieht man schon den Schlußhang vor sich.

Ingo im Aufstieg durch eines der Schneefelder. Während der steile Schnee kühlend lockt, dörrt die Sonne aus ... Das Schneefeld mit Sulzkogel (links) und Zwölferkogel (rechts) im Hintergrund.

Immer noch stolze 200 Höhenmeter, und durch die entweder flache oder sehr steile Wegführung durch brütende Sommersonne sind wir schon ziemlich geschafft ... aber mit etwas Willen schaffen wir es bis zum Gipfel, der von einem großen Felsblock gebildet wird. Die letzten 5 m bis zum Kreuz wollen erklettert sein! Ist aber nicht schlimm und gar nicht so ausgesetzt über dem Kraspestal. Von einem Standpunkt aus kurz unterhalb des Gipfels am Absturz hat man einen herrlichen Blick auf zwei der drei Seen, die um die Drei-Seen-Hütte nebst Liftstation :-( auf dem weiten Plateau oberhalb von Kühtai angeordnet sind.

Blick auf zwei der drei Seen, die auf dem Plateau oberhalb von Kühtai liegen. Die Gipfelflanke, rechts geht es steil in das Kraspestal hinunter.

Vom Gipfel aus, der vielleicht drei Leuten bequem Platz bietet, hat man zunächst einmal einen herrlichen Einblick in die benachbarten Gipfel dieser Untergruppe, sodann schweift der Blick in das südlich gelegene Hochstubai und seine weiße Gipfelpracht, nach Norden hin zum Pirchkogelkamm. Der Aufstieg hat sich gelohnt, auch wenn ich am Ende den Namen "Plagkogel" angebrachter finde :-)

Gipfelblick vom Pockkogel. Der dominante Gipfel im Vordergrund ist der Hauptgipfel dieser Untergruppe, der Gaißkogel. Links Kühtai, rechts liegt das Kraspestal.

Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg wie der Aufstieg, geht aber viel flotter in der Steilflanke voran, wenn auch genauso knie-strapazierend. Die Gehzeiten? Weiß ich nicht genau, da wir viel pausiert und geschaut haben. Vielleicht 1 1/2 Stunden hinauf und 1/2 Stunde hinab, jeweils vom See aus, und zum See selber von Kühtai eine Stunde hinauf.

Nach der Besteigung kehrt Erschöpfung ein: Claudia und Ingo trinkend und schauend.