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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Schesaplana 2965 m

Tourenstützpunkte: Douglashütte 1980 m, Totalphütte 2385 m, Mannheimer Hütte 2650 m

Die Schesaplana ist der höchste Berg des Rätikons und liegt hart an der Grenze Schweiz-Österreich. Sie besitzt den winzigen Brandner Gletscher. Wir starteten die Tour frühmorgens um Brand (1060 m) und fuhren von dort mit dem Postbus in einer wilden Fahrt über die Serpentinen (Vorsicht vor den gelben Bussen!) zur Talstation (1565 m) der Seilbahn, die "Wanderer" mit zünftiger Ausstattung zum Lünersee (Stausee) transportiert und sie dabei wohl von imaginären Heldentaten träumen läßt. Wir nahmen aber den Weg des echten Wanderers, auf einem gewaltigen Schuttkegel einfach an Höhe gewinnend und über den "Bösen Tritt" zur Douglashütte (1980 m). Der Böse Tritt ist eine felsige Steilstufe, die aber seilgesichert ist und obendrein auf einem 1 m breiten Pfad überwunden wird und daher harmlos ist. Die Hütte liegt leider neben der Seilbahn und weist daher entsprechend viele "Bergler" auf und bietet die typische (Un)Gemütlichkeit eines Hotels. Als Bergsteiger ist man daher froh, auf 2385 m die Totalphütte vorzufinden, die schon eher Hüttencharakter hat und auf einem einfachem markierten und gut sichtbaren Steig erreichbar ist. Dieser führt zunächst halb um den Lünersee und wendet sich dann rechts in die Höhe. Er ist gut bezeichnet und gangbar, zunächst im Wiesen-, dann in felsdurchsetztem Gelände.

Ingo sen. auf den letzten Metern zur Totalphütte (im Hintergrund). Aufbruch von der Totalphütte. Diesen Kessel kann man auf mehreren Wegen, unter anderem auch weglos, durchqueren.

Von der Umgebung der beiden Hütten war bislang noch nichts zu sehen, da dichter Nebel und Regenschleier alles in Grau hüllten. Am nächsten Tag gabs dann einen strahlenden Sonnenaufgang und herrliches Wetter, sodaß wir den schneebedeckten Weiterweg zum Gipfel erkennen konnten. Etwas weglos durch ein felsiges Kar (einfach bis Kletterei, je nach Wegwahl und -findungsgabe, es hätte aber auch zwei einfache markierte Pfade gegeben) und dann über mehrere zunehmend steile Schneefelder, zuletzt durch einen schneegefüllten Kessel zum Grenzgrat (2900 m), der als Rucksackdepot dient.

Der Weg führt durch mehrere, zunehmend steile Schneefelder.

Die restlichen Meter zum Gipfel sind aper und sehr einfach, der Gipfel selber wartet mit herrlicher Rundsicht über Bregenzerwald, Silvretta, Ötztal und Ostschweiz auf. Für den Rückweg wählen wir den einfachen Abstieg über Schutt zum kleinen Brandner Gletscher, der mit regelmäßigen Streifen bedeckt ist (Wasserrinnen?) und zur Mannheimer Hütte 2680 m führt. Unser Seil blieb im Rucksack, da wir ohnehin die einzigen waren, die diesem Minigletscher Gefahr zutrauten (und auch als einzige prompt eine Spalte weitab des Weges sahen). Muß eben die Pickelsondierung stimmen ...

Ingo sen. auf dem Brandner Gletscher, auf dem Weg zur Mannheimer Hütte (im Hintergrund rechts). Blick von der Mannheimer Hütte zur Schesaplana über den Brandner Gletscher.

Die Hütte ist klein und recht gemütlich und bietet eiskaltes Wasser im Trog zum Waschen. Wer das überstanden hat, ist schon fast in der Lage, den Leibersteig nach Brand abzusteigen, der quer durch die Nordabstürze des Schesaplanastockes führt. Es ist ein fußbreiter Pfad, zuerst durch unangenehmen steilen, losen feinen Schieferschutt, später durch die N-Wand des Panüelerkopfs. Bis auf wenige Stellen ist ein mindestens fußbreiter Pfad vorhanden, einige Stellen erfordern leichtes Klettern. Die Stahlseile, die diese Passage entschärfen sollen, fanden wir unter Eis und Schnee begraben und verließen uns lieber auf den Eispickel. Dieser Rückweg wird wohl von manchem lieber im Aufstieg gesehen, ist aber wunderschön. Je tiefer man kommt, desto weniger Eis ist zu befürchten, dafür erfordert der Steig etwas (leichte) Kletterei. Mitten im Fels sprudelt auch eine klare Quelle, an einem regelrechten Aussichtsbalkon, auf dem man sich gerne zum Trinken niederläßt.

Der Abstieg über den teilweise noch stark vereisten und nicht immer breiten Leibersteig, der sich hier in etwa gleicher Höhe an der Felswand entlang windet.

Auf etwa 2000 m ist dann der Fels zu Ende, Almwiesen beginnen, die Oberzalimhütte bietet Fritattensuppe und Kracherl an, und ein endlose Hatscher auf Schotterwegen und -straße durch Almmatten, Wald und Wiese nach Brand hinunter beginnt.