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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de

Aus aktuellem Anlaß (Winter) hier einige Anmerkungen zum Thema Schnee und seiner Metamorphose, die bei der Beurteilung von Lawinenhängen auf Skitouren schon sehr wichtig wird.

Formen von Schnee und Metamorphose

Bei Temperaturen unter Null Grad fällt der Pulverschnee, der aus filigranen Kristallen mit feinen Ärmchen mit sechszähliger Symmetrie besteht. Er enthält durch die langen Ärmchen viel Luft und ist daher leicht, etwa 100 kg/m^3.

Selbst bei anhaltender Kälte verändern sich diese feinen Kristallärmchen: verdunstendes und wieder gefrierendes Wasser verbreitert die Ärmchen, an den Verästelungen bilden sich rundliche Formen.

Durch fortschreitendes Schmelzen und Gefrieren bilden sich immer mehr runde Schneekörner, die Körner verschmelzen auch miteinander. Durch die Abnahme der Hohlröume wird der Schnee dichter: bis zu 500 kg/m^3. Diesen Schnee nennt man Festschnee.

Durch das Schmelzen des Schnees in warmen bodennahen Schichten, das Aufsteigen des Wasserdampfes und dessen Gefrieren in oberen Schichten entsteht Schwimmschnee, der aus becherförmigen Kristallen mit weiten Hohlräumen besteht. Dieser Schnee ist extrem labil, durch Gewichtsbelastung von oben können die Kristalle und die ganze Schwimmschneeschicht zusammenbrechen und eine Gleitschicht für die oberen Schneelagen bilden.

Triebschnee ist der Schnee, der vom Wind verblasen wurde und sich in großen Mengen in windabgewandten Mulden und Hängen sammelt. Dieser Schnee hat keinen inneren Zusammenhalt, da die feinen Ärmchen der Kristalle durch die mechanische Belastung beim Verblasen zerbrochen sind. Er träagt nicht und man kann z.B. keine Schneebälle daraus formen.

Faktoren zur Beurteilung der Lawinenlage

Aufbau der Schneedecke

Die unterschiedliche Fließbewegung der Schneemassen talabwärts und das Gewicht des Schnees erzeugen große Scherkräfte. Je nach dem Zustand der Schneedecke kann diese den Kräften nicht widerstehen und bricht auf. Dies kann bei kritischen Hängen schon von alleine geschehen, häufig kann jedoch auch die Zusatzbelastung durch einen einzelnen Alpinisten der auslösende Faktor werden. Gefahren, die von einem labilen Schneedeckenaufbau ausgehen, können an einigen Faktoren erkannt werden: frische selbstausgelöste Lawinen und Schneebretter, Vibrationen in der Schneedecke, dumpfe knallende Geräusche. Ein Trugschluß ist, daß niedrige Schneehöhen niedrige Lawinengefahr bedeuten!

Einige Faktoren sollen genauer beleuchtet werden.

Gelände

Die Steilheit eines Hanges hat entscheidenden Einfluß auf die Lawinengefahr. Einmal, da durch die Neigung ein Rutschen der Schneedecke erst ermöglicht wird, aber auch, da durch unterschiedliche Neigungen oder Behinderungen des freien Rutschens unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten der Schneemasse auftritt und Scherkräfte im Schnee auftreten. Diese können so groß werden, daß sie die zusammenhaltenden Kräfte in der Schneedecke übersteigen und zum Aufreißen derselben führen.

Je größer die Hangneigung, desto größer ist auch die Lawinengefahr. Kritische Neigungen sind solche zwischen 25 und 50 Grad. Auf steileren Hängen bleibt der Schnee kaum liegen und rutscht bereits während es noch schneit in kleinen Schüben talwärts. Auf flacheren Hängen kommt es nicht mehr zu hinreichend großen Zug- und Scherkräften. Auf glattem Boden kann es jedoch auch im flachen Gelände zu Lawinenabgängen kommen.

Verschattete Hänge sind lawinengefährdeter als sonnige Hänge. Besonders gefährdete Hänge sind steil, mit frischem Triebschnee gefüllt, liegen im Schatten und in Gratnähe.

Schneelage, Wind

Die Lawinengefahr steigt mit der Neuschneemenge, wobei der erste schöne Tag nach einer Schlechtwetterperiode besonders kritisch ist, da das Gewicht des Neuschnees zu groß für die darunterliegende Schwimmschneeschicht sein kann. Im Falle eines Zusammenbruchs der Schwimmschneeschicht bildet diese eine regelrechte Rutschbahn für den darüberliegenden Neuschnee. Eine Lawine ist die Folge.
Der Wind wirbelt den Neuschnee auf und lagert ihn im Windschatten von Hängen wieder ab, und zwar in der Form von Triebschnee. Durch den Wind entstehen auch die Wächten an Bergkämmen. Schon bei 10-20 cm Neuschnee, in drei Tagen gefallen, kann die Schneebrettgefahr deutlich ansteigen.

Temperatur

Durch tiefe Temperaturen nach dem Schneefall wird die Verfestigung der Schneedecke verzögert, sodaß die Lawinengefahr längere Zeit erhalten bleibt. Dagegen wird durch steigende Temperaturen zwar die Festigkeit der Schneedecke vermindert und kurzfristig die Lawinengefahr erhöht, aber nach einiger Zeit die Verfestigung der Schneedecke gefördert. Dies führt zu verringerter Lawinengefahr. Die Lawinengefahr erhöht sich auch im Frühjahr im Laufe des Tages durch die zunehmende Erwärmung. Der schwerer und nasser werdende Schnee erhöht die Gefahr deutlich. Nach einer bedeckten Nacht, in der die Wärmeabstrahlung und damit die Abkühlung der Schneedecke vermindert war, kann es bereits morgens kritisch sein.

Weitere Informationen und Quellen:

  • Lawinen-Informationen, Informationen zu Schnee, Lawinen
  • ISL, Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung
  • Schnee-Info, Informationen zu Schnee, Lawinen und der 3x3-Methoder zur Gefahreneinschätzung