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Ingo Klöckl
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Wasenspitze 2665 m, I

Stützpunkt Ravensburger Hütte 1980 m.

Die Wasenspitze ist der höchste Punkt der südlichen Umrahmung der großen Wildgrube, eines höchst romantischen Kars, das sich von den Weideflächen um die Ravensburger Hütte herum zu einem Joch auf 2400 m über dem Flexenpaß hinzieht. Zum Talschluß hin bestimmen große Schutthalden und Altschneefelder das Bild. Die nördliche Umrahmung besteht aus einigen der höchsten Erhebungen des Lechquellengebirges, der großen Wildgrubenspitze und des großen Grätligrates. Keiner der Gipfel um die große Wildgrube herum sowie das Tal selber weisen markierte Wege auf, sodaß das Wildgrubengebiet ein Refugium für Individualisten, einsamkeitssuchende Bergsteiger und Trittsichere mit Gespür für wildes Gelände ist. Die Gipfel, die hier stehen, verlangen durchwegs Klettervermögen im I. Grad, oft mehr.

Die Wildgrube kann von der Ravensburger Hütte aus zunächst auf der Schotterstraße zur Brazer Stafel hin erreicht werden. Man verfolgt die Straße einige Minuten, bis ein Feldweg rechts abzweigt, der sich zur linken Seite der Roggalspitze hinzieht. Diesen einige Zeit entlang bis zu einem scharfen Linksknick des Weges an einem Bach, der aus der Wildgrube kommt. Hier verläßt man den Feldweg und schlägt sich ab jetzt weglos durchs Weidegelände. Man muß sich immer auf der rechten Seite der Roggalspitze halten, die jetzt einige Zeit lang das Blickfeld mächtig beherrscht. Ich war besonders schlau und wollte, um spätere Höhenverluste und Komplikationen mit dem tief eingeschnittenen Bach (so dachte ich) zu vermeiden, mich auf der Höhe der Weideflächen halten, um später im Talschluß auf ca. 2200 - 2300 m Höhe die Schuttfächer zu erreichen. Das hieß also, daß ich mich auf dem nicht schwierigen Weidegelände um große Geländewellen herumschlagen mußte, die mich zu manchem Auf und Ab im steilen Grasgelände zwangen. Unschwierig, aber mühsam ... Außerdem hatte ich den ständigen Eindruck, daß der Bach keineswegs unwegsame Tobel durchfloß, sondern gut gehbares Gelände! Immerhin tauchte an dieser Stelle zuweilen mein Ziel als wilder, unzugänglich scheinender höchster Gipfel zwischen den Zacken der Südkette auf. Sehr lockend und recht stolz.

Nach einer Stunde hatte ich endlich den Fuß der Roggalspitze umrundet und stand nun am eigentlichen Eingang der Wildgrube, an der Stelle, an der die Wände der beiden Talseiten eng zusammentreten. Hier merkte ich, daß ich in meinem Eifer, Höhenverluste zu vermeiden, eine kleine Schraffur auf der Karte nicht richtig eingeordnet hatte: ein kleiner Zaun wies mich darauf hin, daß ich vor einer Steilstufe stand, die meinen Weg wirkungsvoll abschnitt!! Mist ... also doch zum Bach hin absteigen. Aber der floß jetzt immer noch nicht durch wilde Tobel, sondern durch eine 10 m breite Lücke in einem flachen Talboden, der einen herrlichen Rastplatz darstellte und an jeder Stelle besser gangbar war als mein toller Höhenweg ...

Blick auf die Wasenspitze, der höchste, etwas zurückgesetzte Gipfel in der Mitte. Der schönste Rastplatz der Welt am Eingang zur Wildgrube.

Soviel also zu meinem Vorhaben, das ich nun rasch aufgab und mich nunmehr immer an den Bach hielt. Dieser hatte hier seinen Quellursprung, die Schuttfelder stammen vom Frühjahr her, wenn der Schnee schmilzt. Der weitere Weg zu den Schuttfächern am Talschluß kann beliebig gewählt werden, links über weitläufige Grasbuckel oder über Schutt am Bach entlang, später über ausgedehnte Altschneefelder. Nach 3/4 Stunden stand ich also glücklich auf 2300 m Höhe auf dem finalen Schuttfächer, über mir das Joch zum Flexenpaß und rechts vor mir die gewaltigen Schutthalden, die zur Wasenspitze führen.

Zum Ende der Wildgrube hin der Talschluß zum Flexenpaß. Blick zurück vom Talschluss auf den Eingang der Wildgrube.

Wieder besonders gescheit, wollte ich die steilen Schrofen rechts von mir vermeiden und schräg über das Schuttfeld unter der Grubenspitze ansteigen, was im Feinschutt sehr mühsam war und mich oben in ein Gewirr riesiger Blöcke mit großen tiefen Löchern dazwischen brachte. Zur Abwechslung nicht mühsam, aber auch nicht rasch begehbar. Auf der Höhe merkte ich, daß ich durch meinen Schräganstieg etwas zu hoch über der Wasenlücke herausgekommen war, unter mir sah ich, daß von den Schrofen her ein besseres Gelände war, das direkt unter der Lücke endet und in Feinschutt übergeht. Gelegentlich sah ich sogar verblaßte rote Punkte und Steigspuren. Diese führten im Rechtsbogen über den letzten Schutthang vor der Wasenspitze, der aus feinem Schutt besteht. Es gab also einen aufgelassenen Steig, den ich teilweise verfolgte, was das Gehen durch einen festen Boden sehr erleichterte. Durch den ganzen Schutt verliert man den nicht mehr gepflegten Steig aber immer sehr leicht, jedoch weisen unten einige rote Punkte, oben einige Steinmännchen den Weg, der aber mit der logischen Wegführung zusammenfällt. Wenn man ihn verliert, macht das also nichts.

Beim Erklimmen des Schrofenhanges unter der Grubenjochspitze erscheint erstmalig die Wasenspitze. Der Weg führt nach rechts oben über den Schutthang. Blick hinunter auf den Aufstiegsweg aus der Wildgrube heraus.

Wenn man sich nach einer 3/4 Stunde den sehr steilen Hang hinausgekämpft hat, der teilweise mit ausgedehnten Schneefeldern überzogen ist, befindet man sich auf einem flachen Gratrücken, der zur Wildgrube hin steil abbricht und links den Blick auf die Gipfelpyramide freigibt, die man über Blöcke erreicht. Die Seite, die man hier erreicht, ist nicht so wild und steil wie die, die man vom Tal aus sieht, ein ca. 60-70 Grad steiler Felshang, der in leichter Kletterei (I) über Schrofen und Felsen erstiegen werden kann. Auf dem Fels liegt sehr viel loses Geröll auf, Vorsicht und Trittsicherheit sind angebracht. Nach 1/4 Stunde steht man dann auf dem Gipfel oben, der ein stattliches Kreuz trägt, und schreibt sich ins Gipfelbuch ein. Der erste Eintrag ist immer noch von 1932 !!! und bezeugt deutlich, daß pro Jahr höchstens 10 Begeher den Weg hier herauf finden auf diesen schönen Gipfel.

Nach Überwindung des Schutthanges unter der kleinen Wasenspitze erblickt man den Gipfelaufbau. Die Felsen des Gipfelaufbaus.

Das Gipfelkreuz mit dem Buch von 1932. Blick vom Gipfel in die Scharte hinunter.

Der Blick von hier oben, einem der höchsten Gipfel des Lechquellengebirges, ist prächtig über alle Maßen und fast ganz ungehindert, er reicht ungehindert in die Zentralalpen, Silvretta (Piz Buin), Rätikon (Schesaplana, Drusenfluh, Sulzfluh), Hohe Tauern (Großglockner), Lechtaler und Lechquellenberge. Ein Ort zum Verweilen, den jeder Bergsteiger vermutlich den ganzen Tag für sich allein hat, wenn er nicht einer der Ravensburger Sektionsversammlungen begegnet, die fast als einzige die Wasenspitze zu besteigen scheinen.

Der Abstieg erfolgte fast auf demselben Weg wie der Aufstieg, jedoch vermied ich nun einige Fehler: von der Wasenlücke aus hielt ich mehr links zu dem steilen Schrofenhang zu, immer den Punkten nach, die sich im Schrofenhang dann verlieren, aber von hier aus kann man beliebig absteigen, um die Talsohle und die Schuttfelder um den Bachlauf herum zu erreichen.

An der engsten Stelle mit der Quelle steht ein prächtiger Felsblock, der eingekehlt ist und so einen wahren Schattenspender in Strandkorbform darstellt. Hier hielt ich kräftig Jause mit frischem Quellwasser und genoß mein Gipfelglück nochmals ausgiebig. Der Weiterweg verlief dann auch besser über Trittspuren, die längs des Baches verlaufen und erheblich angenehmer sind als mein Weg in der Höhe über die Flanke. Im Ganzen benötigt man für den Abstieg vielleicht 1 3/4 Stunden. Für den Aufstieg ist diese Wegspur ebenfalls sehr zu empfehlen, um unteren Teil sieht man ihn zwischen Viechtritten nicht gut, aber wenn das Tal zusammenrückt, bleibt nur die Wegspur über.