Kristalle
Eine weitere Gruppe anorganischer Farbmittel besteht nicht aus einer farbigen Verbindung,
sondern aus einem Kristallgitter, das selber farblos ist, aber
durch Spuren von Metallionen zum Teil intensiv gefärbt wird. Farbgebende Mechanismen sind
hier der d-d-Übergang im farbbestimmenden Fremdatom
sowie die Metall-Metall-Ladungsübertragung zwischen
mehreren Fremdatomen.
Beispiel sind Kristallgitter aus Kohlenstoff (Diamant), Aluminiumoxid (Saphir und Smaragd)
oder Siliziumdioxid (Quarz), die durch Spuren von Metallionen intensiv gefärbt
werden können.
Die farbgebenden Fremdatome können auch als Hauptbestandteil des Kristallgitters
fungieren. Man erhält so die Mischoxide, die als feste Lösungen mehrere Oxide einander
aufgefasst werden können.
Edelsteine
Im Smaragd und Rubin wird die Farbe durch Chromatome hervorgerufen, deren
d-Orbitale durch das Kritallgitter aus Aluminiumoxid aufgespalten werden. Das reine Aluminiumoxid-Gitter
(z.B. Korund) ist farblos. Interessant ist, daß das Chrom im Rubin eine rote, im Smaragd dagegen
eine grüne Färbung hervorruft. Dies ist ein direkter Ausdruck für die unterschiedlichen
Stärken der Kristallfelder (Ligandenfelder) in beiden Steinen, die durch die unterschiedlichen
Kristallgitter verursacht wird. Im Rubin ist das Kristallfeld
stärker, sodaß die Aufspaltung der Orbitale größer wird und Licht höherer Energie (und somit
kleinerer Wellenlänge oder blauer Farbe) notwendig ist, um einen Elektronenübergang zu
initiieren.
Bemerkenswert ist, daß auch der Rubin in einer grünen Form vorkommen kann, und zwar dann, wenn
die Chromoxid-Menge stark ansteigt. In diesem Fall beginnen die Chromatome miteinander zu
wechselwirken und verändern somit ebenfalls das auf ein Chromatom einwirkende Kristallfeld.
Die Farbe im Saphir wird durch die Ladungsübertragung im System
Fe2+/Ti4+ nach Fe3+/Ti3+ hervorgerufen.
Entscheidung hierbei ist, daß beide Elemente Eisen und Titan als Verunreinigung vorhanden sind.
Reine Eisen- oder reine Titanbeimengungen führen nicht zur Saphirfärbung.
Spinellpigmente
Die Spinelle leiten sich vom Grundkörper MgAl2O4
ab. Die Spinellstruktur des MgAl2O4 leitet sich aus der
kubisch dichtesten Kugelpackung her: die Sauerstoffatome nehmen die kubisch
dichteste Anordnung ein, Aluminium nimmt die Hälfte der Oktaederlücken, Magnesium
ein Achtel der Tetraederlücken ein. Jedes Sauerstoffatom ist verzerrt tetraedrisch
von einem Mg- und drei Al-Atomen umgeben.
Vom Grundspinell MgAl2O4 lassen sich zahlreiche Spinelle
durch Elementaustausch ableiten. Je nach Wertigkeit der Elemente ergeben sich
verschiedene Typen:
| Typ |
A |
B |
Beispiel |
| AIIBIII2O4 |
Mg, Cr, Mn, Fe, Co, Ni, Cu, Zn, Cd, Sn |
Al, Ga, In, V, Ti, Cr, Mn, Fe, Co, Rh, Ni |
MnMn2O4 |
| AIVBII2O4 |
Ge, Sn |
Mg, Cu, Fe, Co, Si |
GeFe2O4 |
| AVIBI2O4 |
Mo, W |
Na |
MoNa2O4 |
| AIIBIII2O4 |
Fe, Co, Ni, Cr, Cu, Mg |
Fe, In, Al |
inverse Spinellstruktur, FeFe2O4 |
|
Neben der normalen Spinellstruktur AB2O4 existiert auch
die inverse Spinellstruktur B(AB)O4, bei der die Verteilung der Kationen
auf die ihnen zustehenden Gitterplätze nicht vorschriftsgemäß verlaufen ist
und sie teilweise ihre Plätze getauscht haben. Diese Erscheinung wird dann beobachtet,
wenn die Unterschiede des Bestrebens beider Atomsorten, eine bestimmte Koordinationszahl
zu erreichen, gering werden. Im Extremfall kann dies zu einer statistischen
Verteilung der Kationen auf die Gitterplätze führen.
Spinellfärbung
Spinelle bilden eine maltechnisch bedeutsame Gruppe, wenn im Grundkörper MgAl2O4
die Atome des Mg und Al durch farbgebende Metallkationen wie Co++,
Cr3+, Cu++, Ni++, Ti4+ und Fe3+
ersetzt werden. Da das ersetzte Mg oder Al in den Oktaederlücken eines
Gitters aus Oxid-Ionen sitzt, wird die Farbigkeit vieler Spinelle durch den
d-d-Übergang eines oktaedrich aufgespaltenen Metallions
hervorgerufen.
Man erhält die wichtigen Pigmente Thenards Blau (CoAl2O4)
und Rinmanns Grün (ZnCo2O4). Sie sind ausgesprochen lichtecht.
Neben den genannten, schon seit dem 19. Jahrhundert bekannten farbigen Spinellen
existiert heute eine große Anzahl dieser Verbindungen, die in vielfältigen Farbnuancen
auftreten können, wie die Tabelle zeigen mag:
| CoAl2O4 |
Blau rötlich (Thenards Blau, Kobaltblau) |
| Co(Cr,Al)2O4 |
Blau grünlich |
| (Al,Ti)(Ni,Zn,Co)2O4 |
Grün |
| ZnCo2O4 |
Grün (Rinmanns Grün) |
| (Fe,Zn)(Cr,Fe,Al,Ti)2O4 |
Braun |
| ZnFe2O4 |
Gelb (Zinkeisenoxid C.I. 119) |
| Cu(Cr,Fe)2O4 |
Schwarz |
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Misch-Oxide
TODO
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