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Nicht jedes Öl kann für die Ölmalerei verwendet werden. Es muß sich um ein
trocknendes fettes Öl handeln, das aufgrund seines ungesättigten Charakter bei
Sauerstoffzufuhr unter Vernetzung der Ölmoleküle trocknet und eine zähe Masse
bildet.
Die folgende Tabelle zeigt eine typische Zusammensetzung von Leinöl. Man erkennt
leicht den hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren.
| Substanz |
Anteil |
Struktur |
| alpha-Linolensäure (C18:3) |
55 % |
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| Ölsäure (C18:1) |
15 % |
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| Linolsäure (C18:2) |
13 % |
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| Palmitinsäure (C16:0) |
6 % |
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| Stearinsäure (C18:0) |
4 % |
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Beim Trocknen eines trocknenden, ungesättigten fetten Öles handelt es sich um eine
radikalische Polymerisation, die aus dem Startschritt der Radikalbildung, der
Kettenreaktion und einem Polymerisationsschritt besteht. Die beiden ersten Schritte
sind licht- und wärmeinduziert, woraus sich die Bedeutung des Lichtes beim Trocknen
eines Gemäldes (und die der Dunkelheit beim Lagern des Leinöls) erklärt.
Der Startschritt
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Der Startschritt: licht- oder wärmeinduzierte Bildung eines Radikals aus der
Fettsäure. Das entstehende Fettsäureradikal ist besonders mesomerie-stabilisiert, wenn es
eine Doppelbindung oder gar ein 1,4-ungesättigtes Diensystem aufweist, wie es bei den
Fettsäuren aus trocknenden Ölen der Fall ist.
Das entstandene Radikal reagiert mit Sauerstoff zu einem Peroxoradikal, das durch
den Angriff auf ein zweites mol einer ungesättigten Fettsäure unter Bildung eines
Hydroperoxids abgesättigt wird. Dabei entsteht bereits ein weiteres Fettsäureradikal,
das in gleicher Weise weiterreagieren kann.
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Die Kettenreaktion
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Die im Startschritt entstandenen Hydroperoxide sind instabil und zerfallen leicht unter
Bildung von verschiedenen Radikalspezies, die mit Fettsäuremolekülen unter Bildung von
C-Radikalen reagieren können. |
Der Rekombinationsschritt
Die entstandenen C- und O-Radikale können miteinander unter Bildung von C-C- und C-O-C-Bindungen zum
verharzten Endpolymer, dem Linoxym, reagieren. Die im einzelnen ablaufenden Vorgänge sind
jedoch nicht gut bekannt.
Siccative unterstützen und beschleunigen den Trocknungsvorgang, indem
sie bei der Radikalbildung, die die Kettenreaktion darstellt, katalytisch wirksam werden.
Dementsprechend handelt es sich
bei Siccativen um Verbindungen mit einem Metall, das leicht zwischen zwei um Eins
auseinanderliegenden Oxidationsstufen wechseln kann. Beispiele wären Cobalt (II/III) oder
Fe (II/III) oder Mn (II/III). Einige Pigmente, die in der Ölmalerei eingesetzt werden, bestehen
aus Verbindungen dieser Elemente, sodaß sie neben ihrer Farbwirkung gleichzeitig
auch trocknungsbeschleunigend wirken. Dies erklärt das rasche Trocknen von
Farben wie Kobaltblau.
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Darstellung der katalytischen Wirkung von Metallen: die Reduktion von Co3+ zu
Co2+ überführt das Hydroperoxid in ein neues Peroxoradikal, die Rückoxidation
überführt ein weiteres Molekül Hydroperoxid in ein weiteres Peroxoradikal. |
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Gesamtreaktion bei der metallkatalysierten Trocknung: Bildung von zwei Peroxoradikalen. |
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