Polyene und Polymethine
Polyene sind Chromophore, deren Farbigkeit auf der Absorption von sichtbarem Licht
beruht, mit dessen Hilfe dann Elektronen zwischen Molekülorbitalen
verschoben werden.
Charakteristisch für die Polyen- und Polymethinfarbmittel ist eine Kette von
konjugierten Doppelbindungen als chromogenes System, deren Doppelbindungen in
der E-Konfiguration vorliegen:

Sie stellen die einfachste Form von organischen Farbmitteln dar. Die einzelnen
Methingruppen können substituiert sein oder Teil einer carbo- oder heterozyklischen
Ringsystems. In der Praxis können je nach der Art, in der das konjugierte System
an den Enden abgesättigt ist, zwei Gruppen unterscheiden:
- Polyene, die Alkyl- oder andere, elektronisch inerte Gruppen tragen,
- Polymethine, die Elektronenakzeptoren resp. -donatoren tragen.
Bei den Polyenen ist das chromogene konjugierte System an beiden Enden
mit Gruppen abgesättigt, die keinen Einfluß auf die elektronische Anregung des
Moleküls aufweisen, wie zum Beispiel Alkylgruppen:
, R = -Alkyl
Ein Beispiel für Polyene sind die Carotene.
Sie zeigen, daß zum Auftreten von Farbigkeit, also einer Absorption im Sichtbaren
(450-480 nm), um die zwanzig bis zweiundzwanzig Methingruppen erforderlich sind
(n=10 oder 11).
Bei den Polymethinen sind die Enden der chromogenen konjugierten Kette
an einem Ende durch einen Elektronendonator, am anderen Ende durch einen Akzeptor
abgesättigt:
, A z. Bsp. -N(CH3)2,
D z. Bsp. -N+(CH3)2
Dieses chromogene System, beispielsweise mit Dimethylaminogruppen als Donator
und Akzeptor, führt bereits ab fünf bis sieben Methingruppen zu einer intensiven
Absorption im sichtbaren Bereich. Die resultierenden Verbindungen werden entsprechend
Penta- oder Heptamethine genannt. (Als Methingruppen zählen dabei die Molekülteile
-CH= oder -CR= oder die heteroanaloge Azagruppe -N=, nicht jedoch, wenn das
Atom Bestandteil eines der (Hetero-)Zyklen ist, die zum Akzeptor oder Donator
gehören!)
Je nach der Art von Akzeptor und Donator können verschiedene Arten von Polymethinen
unterschieden werden, die in der folgenden Tabelle aufgeführt sind. Hierbei
ist bei den Cyaninen von Bedeutung, ob der Stickstoff Teil eines Heterozyklus
ist oder nicht.
| Cyanine |
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N ist Teil von Thiazol, Pyrrol, Pyrrolin, Indol, Pyridin, Chinolin,
Pyrimidin, Benzimidazothiazol, -oxazol. Das konjugierte System setzt
alpha-ständig zum Stickstoff an. |
| Hemicyanine |
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N kann auch durch O, S oder P ersetzt sein. |
| Streptocyanine |
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| Oxonole |
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Die Apocyanine weisen ein extrem verkürztes konjugiertes System mit
n=0 auf.
Ein Beispiel für ein Oxonol ist Murexid .
Abgeleitete wichtige Derivate
Aus den Streptocyaninen geht mit n=0 eine Verbindung hervor, die als Stammverbindung
der wichtigen Farbmittelklasse der Triarylmethane
betrachtet werden kann. Ersatz des zentralen Kohlenstoffatoms durch Stickstoff
führt zu den Indaminen.
Natürliche Farbmittel des Polymethintyps mit n=2 findet man bei den Flavonen
und Anthocyanen.
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