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Ingo Klöckl
i.kloeckl@2k-software.de
Hier sind wir fast am Ziel unserer Reise zu den physikalisch-chemischen Ursachen von Farbigkeit: wir haben die »grundlegenden Mechanismen der Farbigkeit kennengelernt und wichtige »Chromophore identifiziert. Was bleibt, ist das unübersehbar weite Feld an Farbmitteln zu ordnen und zu überblicken. Hierbei können wir auf den zuvor gesammelten Erkenntnissen aufbauen.

Anorganische Farbmittel

Anorganische Farbmittel weisen eine zum Teil außerordentlich intensive und beständige Färbung auf. Dies und die Möglichkeit, sie bereits im Altertum in Form von Erden und natürlichen Mineralien aufzufinden, verleiht ihnen eine besondere Bedeutung in der Geschichte der Malerei.

In der Frühphase der Malerei, in der die Chemie noch nicht einmal als Alchemie existierte, boten anorganische Farbmittel die Möglichkeit, ohne chemisch-synthetische Kenntnisse mit einer breiten Palette zu malen. Es gibt jedoch Fälle von außerordentlich frühen anorganisch-synthetischen Leistungen, die bereits im alten Ägypten und später dann im 16./17. Jahrhundert zu künstlichen anorganischen Pigmenten geführt haben. Das 19. Jahrhundert mit der beginnenden Chemie konnte dann zahlreiche neue anorganische Pigmente zur Verfügung stellen, die ihre frühen giftigen und unbeständigen Vorläufer ersetzt haben und neue Farbtöne bereitstellen. Darüberhinaus sind gerade in den letzten Jahren durch das bessere Verständnis von Festkörperstrukturen neue anorganische Farbmittel entwickelt worden, die die Palette des Malers mit hochwertigen Pigmenten erweitern.

Die folgenden Verbindungsklassen werden näher besprochen:

Natürliche organische Farbmittel

Natürliche organische Farbmittel waren bereits seit dem Altertum bekannt, wie zum Beispiel der Purpur und der Indigo. Auch mögen die Farben der Blüten schon früh die Aufmerksamkeit auf die Pflanzen und ihre Säfte gelenkt haben, was zur Entdeckung zahlreicher Pflanzenfarbstoffe führte, die - oftmals sehr reine - gelbe, blaue oder rote Farbmittel liefern. Durch dieses Farbspektrum waren die natürlichen organischen Farbmittel sehr beliebt, da sie die Palette der Erdfarben um bunte Farbtöne bereichern, die im Gegensatz zu einigen Mineralfarben wohlfeil und auch minder giftig waren.

Den Vorteilen standen jedoch auch schwerwiegende Nachteile gegenüber, allen voran die häufig mangelnde oder ausgesprochen schlechte Lichtbeständigkeit. Auf Bildern alter Meister kann man diesen Effekt zuweilen sehen: ein deutlicher blauer Farbstich weist darauf hin, daß in den ursprünglich grünen Mischungen der gelbe Farbanteil zerstört worden ist.

Wir wollen uns die folgenden Verbindungsklassen näher ansehen:

Synthetische organische Farbmittel

Organische Farbmittel wie Purpur und Indigo waren bereits seit dem Altertum bekannt und erfreuten sich hoher Beliebtheit, weil sie die von Erdfarben dominierte Palette um rote und blaue Farbtöne bereicherten, hatten jedoch teilweise auch schwerwiegende Nachteile wie mangelnde Lichtbeständigkeit oder hohen Preis. Die Entwicklung der organischen Chemie ab dem 19. Jahrhundert erlaubte erstmals den Zugang zu synthetischen organischen Farbmitteln. Zunächst gering, wuchs die Zahl der Farbmittel rasant mit dem steigenden Verständnis der Chemiker für ihr Fach und den Möglichkeiten der Synthese.

In einigen Fällen handelte es sich dabei um synthetische Varianten von natürlichen Farbmitteln, weitaus häufiger jedoch um rein synthetische Farbmittel mit zunehmend andersartigen und neuartigen Strukturen. Die erkannten Nachteile konnten nach und nach beseitigt und neue Anwendungsgebiete (wie etwa die Acrylmalerei) gefunden werden. Nicht zuletzt die Möglichkeit, die meisten gewünschten Farbton zu erzielen, sichern den synthetischen Organika einen festen Platz in der Malerpalette. Ihre Eigenschaften wie Beständigkeit und Farbstärke stehen den anorganischen Pigmenten häufig in nichts nach.

Interessant ist jedoch, daß selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit seiner bereits hochentwickelten Chemie nicht alle Farbtöne mit gleicher Qualität verfügbar waren oder mit einem sehr hohem Preis erkauft werden mußten. Neue Strukturen konnten zwar im Laufe der Zeit alle Lücken in der Farbpalette füllen, jedoch sind auch im Bereich der anorganischen Chemie Entwicklungen im Gange, die es erlauben, eine Vielzahl neuer Farbtöne als hochwertigste Farbmittel auf den Markt zu bringen, die häufig für den Einsatz im künstlerischen Bereich bevorzugt werden.

Die große Vielzahl an farbgebenden organischen Strukturen erlaubt es andererseits, im kurzlebigen Massenmarkt wie Automobil oder Druck eine exakte Anpassung an gewünschte Anwendungseigenschaften zu erzielen, was in dieser Präzision mit Anorganika nicht zu erreichen ist.

Von den zahlreichen farbigen organischen Verbindungsklassen konnten sich aufgrund der von Farbmitteln geforderten Eigenschaften in der Praxis nur einige durchsetzen. Von diesen sollen die folgenden eingehender betrachtet werden: