Hier sind wir fast am Ziel unserer Reise zu den physikalisch-chemischen Ursachen von Farbigkeit:
wir haben die »grundlegenden Mechanismen der Farbigkeit
kennengelernt und wichtige »Chromophore identifiziert.
Was bleibt, ist das unübersehbar weite Feld an Farbmitteln zu ordnen und zu überblicken.
Hierbei können wir auf den zuvor gesammelten Erkenntnissen aufbauen.
Anorganische Farbmittel
Anorganische Farbmittel weisen eine zum Teil außerordentlich intensive und beständige Färbung auf.
Dies und die Möglichkeit, sie bereits im Altertum in Form von Erden und natürlichen Mineralien
aufzufinden, verleiht ihnen eine besondere Bedeutung in der Geschichte der Malerei.
In der
Frühphase der Malerei, in der die Chemie noch nicht einmal als Alchemie existierte, boten
anorganische Farbmittel die Möglichkeit, ohne chemisch-synthetische Kenntnisse mit einer breiten Palette
zu malen.
Es gibt jedoch Fälle von außerordentlich frühen anorganisch-synthetischen Leistungen, die bereits
im alten Ägypten und später dann im 16./17. Jahrhundert zu künstlichen anorganischen Pigmenten
geführt haben. Das 19. Jahrhundert mit der beginnenden Chemie konnte dann zahlreiche neue
anorganische Pigmente zur Verfügung stellen, die ihre frühen giftigen und unbeständigen Vorläufer
ersetzt haben und neue Farbtöne bereitstellen.
Darüberhinaus sind gerade in den letzten Jahren durch das bessere Verständnis von Festkörperstrukturen
neue anorganische Farbmittel entwickelt worden, die die Palette des Malers mit hochwertigen Pigmenten
erweitern.
Die folgenden Verbindungsklassen werden näher besprochen:
Natürliche organische Farbmittel
Natürliche organische Farbmittel waren bereits seit dem Altertum bekannt,
wie zum Beispiel der Purpur und der Indigo. Auch mögen die Farben
der Blüten schon früh die Aufmerksamkeit auf die Pflanzen und ihre Säfte gelenkt
haben, was zur Entdeckung zahlreicher Pflanzenfarbstoffe führte, die - oftmals sehr reine -
gelbe, blaue oder rote Farbmittel liefern. Durch dieses Farbspektrum waren die natürlichen
organischen Farbmittel sehr beliebt, da sie die Palette der Erdfarben um bunte
Farbtöne bereichern, die im Gegensatz zu einigen Mineralfarben wohlfeil und
auch minder giftig waren.
Den Vorteilen standen jedoch auch schwerwiegende Nachteile gegenüber, allen
voran die häufig mangelnde oder ausgesprochen schlechte Lichtbeständigkeit.
Auf Bildern alter Meister kann man diesen Effekt zuweilen sehen: ein deutlicher blauer
Farbstich weist darauf hin, daß in den ursprünglich grünen Mischungen der gelbe
Farbanteil zerstört worden ist.
Wir wollen uns die folgenden Verbindungsklassen näher ansehen:
Synthetische organische Farbmittel
Organische Farbmittel wie Purpur und Indigo waren bereits seit
dem Altertum bekannt und erfreuten sich hoher Beliebtheit, weil sie die von Erdfarben
dominierte Palette um rote und blaue Farbtöne bereicherten, hatten jedoch teilweise auch
schwerwiegende Nachteile wie mangelnde Lichtbeständigkeit oder hohen Preis.
Die Entwicklung der organischen Chemie ab dem 19. Jahrhundert erlaubte erstmals
den Zugang zu synthetischen organischen Farbmitteln. Zunächst gering, wuchs die Zahl
der Farbmittel rasant mit dem steigenden Verständnis der Chemiker für ihr Fach und den
Möglichkeiten der Synthese.
In einigen Fällen handelte es sich dabei um synthetische Varianten von natürlichen
Farbmitteln, weitaus häufiger jedoch um rein synthetische Farbmittel mit zunehmend
andersartigen und neuartigen Strukturen. Die erkannten Nachteile konnten nach und nach
beseitigt und neue Anwendungsgebiete (wie etwa die Acrylmalerei) gefunden werden.
Nicht zuletzt die Möglichkeit, die meisten gewünschten Farbton zu erzielen, sichern den
synthetischen Organika einen festen Platz in der Malerpalette. Ihre Eigenschaften wie
Beständigkeit und Farbstärke stehen den anorganischen Pigmenten häufig in nichts nach.
Interessant ist jedoch, daß selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit seiner
bereits hochentwickelten Chemie nicht alle Farbtöne mit gleicher Qualität verfügbar waren
oder mit einem sehr hohem Preis erkauft werden mußten. Neue Strukturen konnten zwar im
Laufe der Zeit alle Lücken in der Farbpalette füllen, jedoch sind auch im Bereich der
anorganischen Chemie Entwicklungen im Gange, die es erlauben, eine Vielzahl neuer
Farbtöne als hochwertigste Farbmittel auf den Markt zu bringen, die häufig für den Einsatz im
künstlerischen Bereich bevorzugt werden.
Die große Vielzahl an farbgebenden organischen Strukturen erlaubt es andererseits, im
kurzlebigen Massenmarkt wie Automobil oder Druck eine exakte Anpassung an gewünschte
Anwendungseigenschaften zu erzielen, was in dieser Präzision mit Anorganika nicht zu erreichen
ist.
Von den zahlreichen farbigen organischen Verbindungsklassen konnten sich aufgrund
der von Farbmitteln geforderten Eigenschaften in der Praxis nur einige durchsetzen.
Von diesen sollen die folgenden eingehender betrachtet werden:
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