Offene d-Orbitale bei Übergangsmetallen
Die entarteten d-Orbitale und ihre Aufspaltung
Nebengruppenatome weisen unterschiedlich besetzte d-Orbitale auf, die beim isolierten Atom entartet,
d.h. energiegleich, sind. Da dieser idealisierte Zustand in der Natur nicht auftritt,
bringen wir das Atom nun in eine chemische Umgebung. Durch die Wechselwirkung des Atoms mit dieser, d.h. mit
anderen Atomen, wird die Entartung der d-Orbitale aufgehoben, es entstehen mehrere Energieniveaus,
von denen i.a. die untersten mit den vorhandenen Elektronen aufgefüllt werden. Aber nicht immer
erfolgt die Auffüllung mit Elektronen in dieser einfachen Reihenfolge; welche
Orbitale wie gefüllt werden, hängt ebenso wie die entstehenden Energieniveaus von der chemischen
Umgebung des Atoms ab (Stichworte: High-spin- und low-spin-Komplexe, Symmetrie). Von den unteren
Orbitalen können nun durch Absorption von Licht Elektronen in die höheren Orbitale gehoben werden.
Erfolgt diese Absorption mit sichtbarem Licht, erscheint eine Substanz mit diesem Ion farbig.
Da die Übergänge durch spektroskopische Auswahlregeln eingeschränkt sind (Stichwort: Laporte-Verbot,
Spinerhaltung, Spin-Bahn-Kopplung), sind die von d-d-Übergängen hervorgerufenen Farben meist nicht
besonders intensiv.
Im Falle von Nebengruppenatomen, die als Zentralatom eines Komplexes dienen, wird der geschilderte
Fall durch die Kristallfeld- oder Ligandenfeldtheorie behandelt. Da in Komplexen nur bestimmte, wenige
Umgebungsvarianten vorliegen (z.B. oktaedriche, quadratisch-planare Komplexe usf.), kann man das Aufspaltungsmuster
der d-Orbitale vorhersagen oder zumindest theoretisch deuten. Häufig ergeben sich zwei energie-ungleiche
Gruppen von Orbitalen (Stichworte: t2g und eg-Orbitalgruppe), die jeweils zwei oder drei
der d-Orbitale enthält. Der Energieunterschied zwischen diesen Gruppen Δ steht zunächst in
direktem Zusammenhang zu den Liganden, die den Komplex bilden. Man kann die Liganden nach der
Größe der Aufspaltung, die sie bewirken, in einer spektrochemischen Reihe anordnen.
Δ und das sichtbare Licht
Was nun für die Betrachtung der Farbigkeit von Interesse ist, ist die Tatsache, daß Δ oft
in derselben Größenordnung wie die Energie von sichtbarem Licht liegt. D.h., durch Einstrahlung von
Licht auf einen Komplex können Elektronen von der energetisch niedrigeren in die höhere Orbitalgruppe
gehoben werden, wobei durch die Absorption des Lichtes ein Farbeindruck entsteht. In der Tat sind
Komplexe sehr häufig intensiv gefärbt.
Der Einfluß von Δ auf die Farbe der Verbindung zeigt sich in einer Farbänderung, wenn man in
einem Komplex bei ansonsten gleichen Bedingungen einen oder mehrere Liganden austauscht. Ein schönes Beispiel
hierfür ist der blaue Hexaquo-kupfer(II)-komplex [(H2O)6Cu]2+ und
der tiefblaue Tetramminkomplex [(NH3)4Cu]2+.
Konkrete chemische Umgebungen
Im vorherigen theoretischen Abriß war allgemein von einer chemischen Umgebung
die Rede, die die Orbitalaufspaltung verursacht. Konkret können im Bereich der Pigmente die
folgenden chemischen Umgebungen auftreten und Farbigkeit verursachen:
- Ein Kristallgitter, in das das Nebengruppenmetall eingebaut ist (entweder als (Haupt-)Bestandteil
oder als Verunreinigung). Bei vielen Edelsteinen (Rubin, Smaragd) besteht das Gitter aus
Aluminiumoxid mit einer regelmäßigen Anordnung der Oxidionen, in dessen Lücken sich das
Übergangsmetall (z.B. Chrom) befindet; die chemische Umgebung des
Chromions besteht dann aus einer z.B. oktaedrischen Anordung der Oxidionen.
- Liganden wie z.B. Wassermoleküle, wenn das Nebengruppenelement Bestandteil eines Komplexes ist,
der das Pigment aufbaut (Malachit).
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