Ölmalerei alla prima
An Techniken wende ich hauptsächlich die Ölmalerei an, mit der sehr gezielte Ergebnisse
erhalten werden können. Meine Lieblingsuntergründe sind mittlerweile Holzplatten
(Spanplatten), mit weißer Dispersionsfarbe grundiert. Da sie nicht weiter
versiegelt wurden, sind sie sehr saugfähig und ermöglichen eine eher trockene
Malweise. Dementsprechend male ich auf Holz alla prima, das heißt die gewünschten
Farbtöne werden entweder auf der Palette oder auf dem Bild selbst aus den Einzelfarben
zusammengemischt. Auch die Tonwerte (Hell-Dunkel) werden durch Einmischen von
hellen und dunklen Farben erhalten. Vorteilhaft bei dieser Technik ist eine eher
spontane Arbeitsweise, das Bild kann in kurzer Zeit gemalt werden.
Früher habe ich auch grobe Stoffe und Gewebe mit Perlleim auf die Holzplatten
aufgezogen und dann weiß grundiert. Hierdurch erhielt ich eine Leinwandgrundfläche,
die im Gegensatz zu den auf Keilrahmen aufgespannten Leinwänden nicht so beweglich
und sehr steif ist. Da ich nicht so große Bildformate benutze, hinderte mich die
grobe Gitterstruktur der Gewebe jedoch daran, kleine Details präzise alla prima zu malen,
daher nun die Verwendung der reinen Holzplatte.
Altmeisterliche Mischtechnik
Im Gegensatz zur Prima-Technik steht die altmeisterliche Mischtechnik mit Tempera
und Öllasuren, die von den alten und von mir sehr bewunderten Meistern benutzt wurde.
Sie beruht auf einer mehrschichtigen Untermalung, die das ganze Sujet (das Bildmotiv)
praktisch monochrom darstellt, häufig in Braun- und Ockertönen. Diese Untermalung liefert die
korrekte Verteilung der Lichtwerte (des Hell-Dunkels). Hierüber werden dann
einzelne hauchdünne Farbschichten (Lasuren) mit sehr verdünnter Farbe aufgetragen,
die dem Bild die Farbwerte geben. Die Schatten und die hellen Zonen sind bereits
durch die Untermalung gegeben, die immer durch die Farbschichten hindurchscheint.
Zwischendurch wird bei Bedarf immer wieder mit Temperaweiß gehöht, um die großen
Helligkeiten herauszuarbeiten.
Am Ende werden noch die Glanzlichter mit sehr heller, deckender Farbe aufgetragen.
Der Nachteil der Methode ist die lange Zeit, die ein Bild benötigt,
da jede Farbschicht vollständig getrocknet sein muß, bevor die nächste aufgetragen werden
kann. Alte Meister haben oftmals zwanzig und mehr Schichten aufgetragen! Der
Vorteil ist eindeutig, daß das Bild außerorderntlich lichtdurchflutet und farbrein
ist, da ein Farbton nicht durch Weißbeimischungen aufgehellt werden muß, was immer
zu einem käsig-kreidigen Erscheinungsbild führt. Er gewinnt seine Helligkeit durch das
hindurchfallende Licht, was der Physik eines beleuchteten Gegenstandes auch eher entspricht.
Besonders bei transparentem Fruchtfleisch (Weintrauben, Zitronen), glänzenden und schimmernden
Stoffen (Satin, Seide) und Wasser gewinnt man eine mit anderen Techniken nicht erlangbare
Tiefe.
Aquarelltechnik
Neben der Ölmalerei nutze ich auch die Aquarellfarben, die hauptsächlich zum
Einsatz kommen, wenn ich wenig Zeit für ein komplettes Ölgemälde habe, aber
große Mallust verspüre, oder wenn ich unterwegs bin und im Freien arbeiten möchte,
weil mich ein Ort, meistens inmitten der Natur, besonders anzieht. Ölfarben
sind dafür nicht so geeignet, und wer versucht hat, ein frisch-feuchtes Bild
durch die Gegend zu tragen, ohne daß sich Staub, Pollen und Blätter darauf niederlassen
und ein Gesamtkunstwerk bilden, weiß, was ich meine.
Da sich Fehler bei Aquarellen meisten nicht mehr korrigieren lassen, sind meine
Erwartungen an ein Aquarell gänzlich andere als an ein Ölgemälde, an dem ich
arbeiten kann, bis meine Vorstellungen umgesetzt sind. Nein, wenn eine Farbspur
einmal auf dem Papier sitzt, muß man sich blitzschnell überlegen, wie man diesen
Fehler nutzen und in das Bild einarbeiten kann. Wenn ich ein Aquarell beginne,
habe ich meist nur ungefähre Vorstellungen vom Ergebnis und lasse mich stark
von Launen und solchen Zufällen leiten. Auch die rasche Trocknung der Wasserfarben
(eine halbe Stunde, wenn man Glück hat, meist weniger) fördert einen spontanen
Malvorgang. Man lernt zu improvisieren, rasch Elemente zu erkennen und zu nutzen,
und erhält ein Bild voller Frische. Oftmals auch nur ein mißratenes gefärbtes
Papier, ich bin im allgemeinen nur mit jedem zweiten oder dritten Bild zufrieden. Aber nach
einigen Ölgemälden ist das Aquarellieren erfrischend und abwechslungsreich.
Chemie der Farben
Im übrigen läßt sich auch meine eigentliche Leidenschaft, die Chemie, einbringen:
die Grundlage des Malens sind Farben und Pigmente,
die meist vom Chemiker hergestellt werden (zumindest heutzutage, und wenn die
alten Meister noch keine Chemiker waren, mußten sie teilweise doch chemische
Verfahren anwenden). Auch mag der Chemiker dem Maler das eine oder andere Wissenswerte
berichten.
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